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Bisher 45.000 neue Duldungen in diesem Jahr

Die Zahl der Menschen, die in Deutschland "geduldet" leben, also ausreisepflichtig sind, aber aus irgendeinem Grund nicht abgeschoben werden können, ist vom 1. Januar bis zum 30. September 2026 um 45.000 gestiegen. Darunter befinden sich 13.460 Minderjährige.

Eine Duldung kann aus verschiedenen Gründen erfolgen, unter anderem, weil eine Abschiebung in das Herkunftsland untersagt ist, weil dort Lebensgefahr droht. Hauptgrund ist aber das Fehlen gültiger Papiere. Es gibt auch humanitäre Duldungen wegen sonst nicht behandelbarer Krankheiten oder weil Familienangehörige in Deutschland leben, aber deren Zahl ist vergleichsweise gering.

Das lässt sich an zwei Zahlen erkennen, die ebenfalls in der Antwort der Bundesregierung auf eine Frage der Grünen-Abgeordneten Filiz Polat mitgeteilt wurden: Von diesen 45.000 haben ganze 402 eine Duldung wegen einer Ausbildung und ganze 17 wegen einer ausgeübten Beschäftigung.

Die Liste der sicheren Herkunftsländer wurde übrigens Mitte Juni um Ägypten, Bangladesch, Indien, Kolumbien, Marokko, Tunesien und die Türkei verlängert.

Von Januar bis September 2026 wurden übrigens nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge 51.982 Erstanträge auf Asyl gestellt. Fast genauso viele Verfahren, nämlich 51.234, waren Ende September dort in Bearbeitung. Hauptherkunftsland ist aktuell wieder Afghanistan, gefolgt von Syrien und der Türkei, die nun aber offiziell sicheres Herkunftsland ist.

Entsprechende Zahlen zu Abschiebungen lagen noch nicht vor. Bis zum 30. Juni waren es 9.663. Es ist also davon auszugehen, dass bis Jahresende wieder etwa 20.000 Abschiebungen erfolgen, im selben Zeitraum aber die Zahl der Geduldeten um mehr als das Doppelte anwächst. Was zugenommen hat, ist die Zahl der freiwilligen Ausreisen, die bis Ende Juni bei etwa 17.000 lag, vor allem in die Türkei, sodass sich womöglich am Jahresende Abschiebungen, freiwillige Ausreisen und neue Duldungen ausgleichen. Selbst von einem Rückgang allein der Zahl der jetzt bereits eigentlich Ausreisepflichtigen ist man damit immer noch weit entfernt.

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Klingbeil will Konten schneller sperren und Zugriff auf Bürgerdaten ausweiten

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der den Behörden deutlich mehr Befugnisse bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung einräumen soll. Verdächtige Geldbewegungen sollen schneller gestoppt, Konten vorübergehend gesperrt und Informationen über Eigentumsverhältnisse leichter abgerufen werden können.
Besonders weitreichend sind die geplanten Befugnisse der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (FIU). Sie soll bei einem Geldwäscheverdacht sogenannte Sofortmaßnahmen für bis zu zehn Werktage anordnen können.

Auch Konten und Finanzgeschäfte könnten davon betroffen sein. Für den Zugriff auf Bankschließfächer sieht der Entwurf eine Sperrmöglichkeit von bis zu fünf Werktagen vor. Schon jetzt müssen Banken verdächtige Überweisungen melden und gegebenenfalls zunächst zurückhalten. Die neuen Vorschriften sollen diese Eingriffsmöglichkeiten erweitern.

Hinzu kommt ein umfassenderer Zugriff auf Vermögensdaten. Ab Juli 2029 soll eine zentrale Zugangsstelle für Immobilieninformationen eingerichtet werden. Behörden könnten darüber elektronisch abrufen, wem Grundstücke gehören, wer hinter beteiligten Unternehmen steht und welche Kaufpreise bezahlt wurden. Die europäischen Kontenregister sollen außerdem stärker miteinander vernetzt werden. Künftig sollen auch Kryptowertekonten und Konten mit virtueller IBAN erfasst werden.

Auch in Sachen Bargeld sieht die Reform weitere Einschränkungen vor. Bei gewerblichen Geschäften sollen künftig EU-weit höchstens 10.000 Euro bar bezahlt werden dürfen. Privatgeschäfte zwischen natürlichen Personen außerhalb einer beruflichen Tätigkeit bleiben von dieser Obergrenze ausgenommen. Für den Kauf von Immobilien gilt in Deutschland allerdings bereits seit April 2023 ein grundsätzliches Barzahlungsverbot. Verstöße gegen die neuen Vorschriften sollen mit Bußgeldern geahndet werden können.

Für Firmen dürfte die Geldwäscher-Jagd vor allem mehr Kontrollen und Bürokratie bedeuten. Eine neue zentrale Koordinierungsstelle bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) soll die Geldwäscheaufsicht vereinheitlichen. Behörden sollen die tatsächlichen Eigentümer von Unternehmen und Stiftungen genauer überprüfen können. Nach einem Bericht von Reuters sieht der Entwurf dafür 32 zusätzliche Stellen bei der Bafin vor. Für den Bundeshaushalt werden bis 2030 zusätzliche Kosten von rund 157 Millionen Euro erwartet. 

Hintergrund ist die Umsetzung des EU-Geldwäschepakets aus dem Jahr 2024. Das bisherige deutsche Geldwäschegesetz soll zum 10. Juli 2027 durch ein neues Gesetz zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung ersetzt werden. Nach Angaben des Bundeskriminalamts verursachte Geldwäsche im vergangenen Jahr einen erfassten Schaden von rund 1,5 Milliarden Euro. Der Gesetzentwurf befindet sich derzeit in der Ressortabstimmung und soll noch vor Jahresende vom Bundeskabinett beschlossen werden.

Auslandsüberweisungen und "Risikoländer" im Visier

Schon heute bedeutet die Umsetzung der EU-Richtlinie zur sogenannten Geldwäschebekämpfung eine pauschalierte Kontrolle der Bankkonten aller russischen und weißrussischen Staatsbürger oder Doppelstaatler, aber auch jener Deutschen, die eine Auslandsüberweisung tätigen. Dass die Banken dabei mit Verweis auf Geldwäschekontrolle tief in die Taschen der Bürger greifen, zeigt das Beispiel der in Russland lebenden Rentner: Ihnen werden nun ab Juni 200 Euro von ihren Renten "als Gebühr" abgezogen – und das ohne Vorwarnung, wie der in Moskau lebende Journalist Ulrich Heyden berichtet.

Russland gilt nach EU-Richtlinien als ein "Hochrisikoland". Nach den zuletzt veröffentlichten Zahlen der deutschen Rentenversicherung leben in Russland 1.000 deutsche Rentner. Das Brisante dabei: All das findet stillschweigend statt. Auf der Webseite der deutschen Rentenversicherung findet man keine Informationen zu der Rentenkürzung. Deutsche Medien schweigen zu dem Thema.

Wie Ulrich Heyden von der Raiffeisenbank International in Wien erfuhr, werden jene 200 Euro "im Auftrag einer anderen Bank" von der Rente abgezogen. Die "andere Bank" sei offenbar die Bundesbank. Denn sie sei die erste Bank, die Rentenzahlungen aus Deutschland Richtung Moskau veranlasst. Damit diskriminiere der deutsche Staat eigene Bürger, die ihr Leben lang in die Rentensysteme eingezahlt haben, macht Heyden deutlich. 

Mehr zum Thema – "Werkzeug neuer Kriegsführung": Russischer Top-Banker über globalen Wandel im Zahlungsverkehr

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Kanada: Diesmal wurde von der Leyens Wahn ausgebremst

Von Dagmar Henn

Man fragt sich, was EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geritten hat, als sie Kanada eine Art EU-Mitgliedschaft zweiter Klasse vorschlug. Und erstaunlicherweise ist die Ablehnung eines solchen Angebots durch die deutsche, italienische und französische Regierung, wie sie unter anderem Politico kolportierte, ein Zeichen der Vernunft. So ungewöhnlich es klingt, da hat irgendjemand mal tatsächlich einen Blick auf Wirtschaftsdaten geworfen. Ja, es wäre sogar vorstellbar, dass die kanadische Regierung selbst darum gebeten hat, diesen irrwitzigen Plan in der EU auszubremsen.

Da gibt es nämlich keinerlei Vorteile für Kanada - der Handel ist seit der Unterzeichnung des CETA-Abkommens mit den meisten EU-Mitgliedsländern bereits seit 2017 weitgehend zollfrei; aber der real stattfindende Handel in beide Richtungen ist recht unbedeutend. Die kanadische Regierung mit ihrer Neigung zum Fanatismus sowohl unter Corona als auch in Bezug auf die gesamte woke Themenpalette mag bei bestimmten Personen Sympathien auslösen, aber ökonomisch könnte sich jeder Schritt weiterer Annäherung an die Europäische Union als fatal erweisen. Mit einigen Parallelen zur Ukraine, übrigens, auch wenn die Kanadier zumindest dank des wirtschaftlichen Niedergangs in der EU vor der Exportwalze sicher sind.

Tatsächlich ist es geradezu lächerlich – die kanadische Ökonomie ist sehr stark auf die USA ausgerichtet, nicht nur im Export von Erdöl und Erdölprodukten, die dank der hohen Ölpreise dem Land in diesem Jahr wieder einmal eine positive Handelsbilanz verschafften. 73 Prozent der kanadischen Exporte gingen im vergangenen Jahr in die Vereinigten Staaten; darauf folgt dann Großbritannien als zweitgrößter Abnehmer mit 6,1 Prozent. Die größten Abnehmer kanadischer Produkte in der EU sind die Niederlande und Deutschland, mit überwältigenden je 1,2 Prozent.

Und in der Gegenrichtung? Kamen 46 Prozent der Importe aus den USA, 12 Prozent aus China; hier liegt immerhin Deutschland mit 3,2 Prozent auf Platz vier, Italien mit 1,9 Prozent liegt auf Platz 8. Heißt, dieser Freihandel mit der EU ist ganz nett, aber nicht existenziell – ganz anders, als die Handelsbeziehungen mit den USA, ohne die gar nichts geht.

Wie gesagt, es erinnert an die Ukraine, an den Vorlauf zum Putsch gegen Präsident Janukowitsch 2014, als die EU ein Ultimatum zur Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens stellte, das Janukowitsch in letzter Minute aus wirtschaftlicher Vernunft abzulehnen versuchte. Denn der Preis dafür war zu hoch – der wichtigste Handelspartner, Russland, ging verloren, während gleichzeitig zwar Produkte aus der EU frei importiert werden durften, aber ukrainische Produkte weitgehend an den EU-Regularien scheiterten.

In Kanada wäre die Lage nur insofern anders, als die EU-Exporte dorthin kaum signifikant steigen dürften, da sich an der aktuellen Lage bezogen auf Einfuhrabgaben nichts ändert. Allerdings würde sich eine politische Frontstellung ergeben, die ebenfalls an die Entwicklung in der Ukraine erinnert – schließlich ist das Bestreben der EU-Bürokratie in Brüssel eine völlige politische Gleichschaltung der Mitgliedsländer, in die Kanada dann, wenn auch als Anhängsel, einbezogen würde. Was gleichzeitig aber eben eine Konfrontation mit den USA mit einschließt, die ohnehin bereits seit bald zwei Jahren aus Washington mit Einfuhrzöllen ausgetragen wird.

Eine Konfrontation, die für Kanada verhängnisvoll wäre, denn die EU kann die USA nicht ersetzen, auch wenn es in Brüssel vielleicht Fantasien gibt, durch den Import kanadischen Öls einen Teil der Schäden zu flicken, die man durch die Sanktionspolitik gegenüber Russland zuvor selbst angerichtet hat. Das ist nicht nur eine Frage des Wollens, sondern eine Frage der Logistik – selbst der drittgrößte Hafen in der EU, Hamburg, bewältigt mit einem Containerumschlag von 7,7 Millionen Standardcontainern pro Jahr mehr als alle kanadischen Häfen zusammen. Der Hafen von Montreal, der im kanadischen Osten der größte und aktuell der Hauptumschlagsplatz in Richtung EU ist, bringt es im Jahr auf gerade einmal 1,5 Millionen Standardcontainer und hat zudem noch den Nachteil, dass er im Landesinneren liegt und nur über den Sankt-Lorenz-Strom erreichbar ist, der für die großen Containerschiffe nicht tief genug ist. An dieser Lage ändert auch die aktuelle Erweiterung in Montreal wenig. Und dahinter liegt ein weiteres Nadelöhr, denn auch die Eisenbahnlinien sind nicht auf die Bewältigung entsprechenden Containerverkehrs in diese Richtung eingestellt.

Was rein technisch die Möglichkeiten, den Handelspartner USA auch nur ansatzweise durch die EU zu ersetzen, klar begrenzt – schon eine Verdoppelung des aktuellen Anteils von 5,5 Prozent bei den Exporten und 11,6 Prozent bei den Importen wäre ohne massive Investitionen in die Infrastruktur absolut unmöglich. Geografie richtet sich nicht nach politischen Wünschen, das sollte der Absturz der Ukraine eigentlich gelehrt haben. Und der Handelspartner USA ist über Land wie übers Meer leicht erreichbar, die EU aber tausende Kilometer entfernt.

Kiew hat Russland damals dann gewissermaßen durch den Krieg gegen Russland ersetzt und auf diese Weise zumindest der herrschenden Oligarchie weitere Einnahmen gesichert. Kann oder mag man sich dieses Modell für Kanada vorstellen? Die kanadischen Mounties in einem Krieg mit den USA verheizen, um Subventionen aus der EU zu erhalten? Das ist kaum vorstellbar, selbst wenn man den alten frankophonen Separatismus reaktivieren würde, ein im Kern verrücktes Projekt – aber das war eine Frontstellung der Ukraine gegen Russland vor zwanzig Jahren auch.

Nur sind die Vereinigten Staaten nicht Russland, und die Reaktion selbst auf eine politische Annäherung an die EU dürfte scharf ausfallen; bei falschen Schritten in Ottawa würde Washington schnell aus der ökonomischen Abhängigkeit einen Strick drehen. Schließlich sind zwar die USA existentiell für Kanada, Kanada für diese aber weit weniger – 12 Prozent der US-Importe stammen aus Kanada, und es erhält 16 Prozent der US-Exporte. Da ist ein Ersatz, auch logistisch, weit eher möglich.

Und der einzig denkbare Ausweg für jene Politiker, die einen derart katastrophalen Einbruch der kanadischen Ökonomie zu verantworten hätten, wie ihn jede stärkere politische Frontstellung gegen die USA auslösen könnte, wäre, eben diese USA zum ewigen, bösartigen Feind Kanadas zu erklären, der an diesem Niedergang Schuld hätte. Nun, dass dieses Spiel funktioniert, kann man in der EU tagtäglich erleben, in der dasselbe Lied gesungen wird; aber die USA sind eben nicht Russland, und würde sich Kanada gegenüber den USA auch nur so verhalten, wie das die EU-Staaten aktuell gegenüber Russland tun, käme es erstens sehr schnell zu einem Regimewechselversuch, und zweitens gegebenenfalls zu einer militärischen Antwort. Nicht nach Jahren, sondern nach Stunden. Würde es sich so verhalten wie die Ukraine aktuell, die eine oder andere kanadische Großstadt wäre bald ein rauchender Krater.

Was letzten Endes für jeden halbwegs vernünftigen kanadischen Politiker bedeutet, zwar ein bisschen mit der EU herumzupoussieren, um sich die Zollfreiheit zu erhalten, aber jeden ernsthafteren Schritt weg von den USA hin zur EU besser ganz zu unterlassen. Da wäre eher noch China eine Option, das hat zumindest eine ernsthafte Flotte. Aber das hat sich Kanada schon vor Jahren mit dieser Nummer verbaut, als es für die USA die Tochter des Huawei-Chefs festsetzte.

Also ein anderes Ergebnis als dekoratives Geschwätz und vielleicht das eine oder andere gemeinsame Wirtschaftsprojekt ist im Grunde in den Beziehungen zwischen der EU und Kanada nicht zu erwarten, außer, die kanadische Regierung fühlte sich versucht, gleich das ganze Land in den assistierten Suizid zu führen. Wie gesagt, das Raunen darüber, dass die drei großen Nationen der EU sich gegen solche Pläne einer halben Mitgliedschaft ausgesprochen hätten, mag letzten Endes sogar auf Kanada selbst zurückzuführen sein. Schließlich hat sich auch der kanadische Premierminister Mark Carney nicht auf von der Leyens Begriff eingelassen und sprach nur von einem "Bündnis für die Zukunft".

Vielleicht der interessanteste Punkt an dieser Affäre ist letzten Endes, dass diesmal, im Gegensatz zu von der Leyens berüchtigtem Pfizer-Deal und anderen Alleingängen, bei der Brüsseler Eigenmächtigkeit rechtzeitig die Reißleine gezogen wurde. Die Folgen wären viel zu dramatisch ausgefallen.

Mehr zum Thema – Der nächste Krieg wird hier ausgetragen werden – die USA und Europa werden Feinde sein

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Ohne Begründung: Pentagon entlässt obersten Militärplaner

Das Pentagon hat seinen obersten Militärstrategen entlassen, während Washington Notfallpläne für eine mögliche Eskalation der Feindseligkeiten mit Iran ausarbeitet.

Generalleutnant Brett Sylvia wurde von seinem Posten als Direktor für Strategie, Planung und Politik (J5) im Vereinigten Stab abberufen, wie ein Sprecher am späten Mittwoch nach Medienberichten über seine Entlassung bestätigte.

Sein Vorgänger, Generalleutnant Joseph McGee, musste vor einem Jahr aufgrund von Spannungen mit Kriegsminister Pete Hegseth und dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, General Dan Caine, in den Ruhestand treten. Sylvia war zuvor stellvertretender Direktor des J5.

Das Pentagon gab keine Begründung für Sylvias Ausscheiden. Zu seinen Aufgaben gehörte die Entwicklung militärischer Strategien und Pläne zur Beratung des US-Präsidenten. Er reiht sich damit in die fast zwei Dutzend hochrangigen Militär- und Zivilbeamten ein, die während Hegseths Amtszeit entlassen wurden.

Der Kriegsminister bezeichnete die Entlassungen als Teil der Bemühungen, die aufgeblähten Reihen der Generäle im Militär zu reduzieren und die Streitkräfte effizienter und schlagkräftiger zu machen. Kritiker hingegen sprechen von einer ideologischen "Säuberung".

Präsident Donald Trump hat wiederholt die Möglichkeit einer Wiederaufnahme großangelegter Kampfhandlungen mit Iran ins Spiel gebracht, einschließlich der Wiederaufnahme der intensiven Bombardierungen, die in den ersten 40 Tagen des Konflikts stattfanden, den die USA und Israel Ende Februar begonnen hatten. Eine mögliche Eskalation könnte zeitlich um die Zwischenwahlen im November herum erfolgen.

Militärexperten äußerten weithin die Befürchtung, dass eine weitere Bombardierungskampagne nicht den gewünschten "Abschluss" bringen würde, wie Trump es formulierte, sondern die weltweiten wirtschaftlichen Folgen des Konflikts weiter verschärfen würde. Teheran hat seinerseits wiederholt davor gewarnt, dass es bereit sei, Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Verbündete in der Golfregion zu ergreifen, sollte es erneut angegriffen werden.

Umgekehrt gibt es Spekulationen, dass Trump Hegseth nach den Zwischenwahlen entlassen könnte, da die oppositionellen Demokraten voraussichtlich in beiden Kongresskammern Sitze hinzugewinnen werden. Kritiker des Iran-Krieges, darunter der republikanische Abgeordnete Thomas Massie, argumentieren, dass die Entlassung des Ministers Trump helfen könnte, ein mögliches Amtsenthebungsverfahren zu vermeiden, falls die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus erlangen.

In seiner öffentliche Rhetorik unterstützt Trump jedoch weiterhin Hegseth und dessen Politik.

Mehr zum Thema – USA warnen Golfstaaten vor neuer Iran-Offensive nach Midterms – Huthi melden Angriffe auf Riad

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Da Trumps Drohungen nicht wirken: Vance soll neue Iran-Verhandlungen anstoßen

Der US-Vizepräsident JD Vance hat einen Brief an Mohsen Resai geschrieben, den Sekretär des Obersten Sicherheitsrats Irans und früheren Kommandeur der Revolutionsgarde. Das berichteten US-Beamte und mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber dem Wall Street Journal (WSJ). Der Brief wurde auf Anweisung von Präsident Donald Trump verschickt, so das WSJ. Trump sei über die Kontaktaufnahme informiert.

Vance prüft, ob Washington und Teheran genügend Gemeinsamkeiten finden können, um Trump davon abzubringen, in den kommenden Wochen den endgültigen Befehl für einen kurzen, intensiven Angriff auf Iran zu erteilen.

Am Mittwochabend sagte Trump vor Reportern, er habe Vances Bitte um Kontaktaufnahme zugestimmt. "Sie brauchen Hilfe mit medizinischen Gütern und verschiedenen anderen Dingen", so Trump. "Er hat mich gefragt, was ich davon halte. Ich sagte: 'Wenn du das machen willst, ist das in Ordnung.'"

Die Kontakte konzentrierten sich bislang darauf, die Rahmenbedingungen für Verhandlungen festzulegen. Ein konkreter Friedensvorschlag liegt dem Bericht zufolge bisher jedoch nicht vor.

Einige US-Beamte sind der Ansicht, dass Gespräche mit iranischen "Hardlinern" (IRGC) zu besseren diplomatischen Ergebnissen führen könnten. Diese haben in Teheran an Einfluss gewonnen, seit die USA und Israel zu Beginn des Krieges führende Vertreter der Islamischen Republik ermordet haben.

Washington drängt auf Zugeständnisse beim Atomprogramm. Teheran hingegen fordert eine sofortige wirtschaftliche Entlastung. Angesichts dieser unterschiedlichen Forderungen steht die Frage, welche Seite zuerst Zugeständnisse machen soll, im Mittelpunkt der Bemühungen, die diplomatischen Gespräche wiederaufzunehmen.

Vance hat den Iran-Krieg öffentlich unterstützt, sich hinter verschlossenen Türen jedoch zurückhaltend dazu geäußert, ihn weiterzuführen. Noch bevor Trump im Februar die Operation "Epic Fury" startete, hatte er sich für eine intensivere Diplomatie ausgesprochen. Später ernannte Trump Vance zum Chefunterhändler. Der Vizepräsident reiste zweimal ins Ausland, um sich mit iranischen Vertretern zu treffen und eine endgültige Vereinbarung zur Beendigung des Konflikts zu erreichen.

Vances Kontaktaufnahme erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Republikaner darauf einstellen, bei den Zwischenwahlen Sitze im Repräsentantenhaus und im Senat zu verlieren und möglicherweise die Kontrolle über eine oder beide Kammern abzugeben. Viele Wähler haben den Iran-Krieg und die steigenden Kraftstoffpreise als Gründe für ihre Unzufriedenheit mit Trump und seinen republikanischen Parteikollegen genannt. Vance gilt als früher Spitzenkandidat für die republikanische Präsidentschaftsnominierung 2028.

Resais Rolle als zentraler Ansprechpartner könnte andere iranische Vertreter wie den Topdiplomaten Abbas Araghtschi oder Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf an den Rand drängen.

Resai, der die Revolutionsgarde während des iranisch-irakischen Krieges in den 1980er-Jahren befehligte, hat sich angesichts der drohenden US-Angriffe als einflussreiche, zugleich aber konfrontativ auftretende Stimme etabliert. Anfang dieses Monats erklärte er, Teheran könne die Vereinigten Arabischen Emirate ins Visier nehmen, die seit dem späten Frühjahr weitgehend von Angriffen verschont geblieben seien. Auch Rechenzentren und Internetkabel in der Region könnten angegriffen werden.

Am Sonntag traf sich Resai in Teheran in einem ungewöhnlichen Schritt mit den Sicherheitschefs Saudi-Arabiens, Pakistans und der Türkei. Alle Seiten bemühten sich um eine Deeskalation. Bei den meisten früheren Besuchen waren stattdessen Diplomaten zusammengekommen.

US-Kriegsminister Pete Hegseth hat unter anderem einen ranghohen Strategen des Pentagons abberufen. Betroffen ist Generalleutnant Brett Sylvia, der im Vereinigten Generalstab der US-Streitkräfte als Direktor für Strategie, Planung und Politik (J-5) tätig war. Die Gründe für die Personalentscheidung sind bislang unklar. Zugleich deutet sich ein weiterer Wechsel im Umfeld der militärischen Führungsspitze an. Die Umbesetzung fällt in eine Phase verstärkter militärischer Planungen im Nahen Osten und laufender Debatten im US-Kongress.

Mehr zum Thema ‒ Iran-Krieg kostet die USA bereits mehr als 47 Milliarden Dollar

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Eklat bei den UN: USA weisen kubanischen Diplomaten aus

Bei einer UN-Sitzung zum US-Embargo gegen Kuba kam es zu einem heftigen Wortgefecht zwischen Vertretern Washingtons und Havannas. Im Anschluss wiesen die USA einen kubanischen Diplomaten aus, der Mitglied der kubanischen UN-Delegation war. Der Schritt verschärft die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen beiden Staaten.

Bei einer UN-Sitzung zum US-Embargo gegen Kuba kam es am Dienstag zum Eklat: Kubanische Vertreter unterbrachen lautstark die Rede des US-Botschafters Mike Waltz. Anschließend unterzeichnete US-Außenminister Marco Rubio die Ausweisungsunterlagen für einen kubanischen Diplomaten. Ihm wird vorgeworfen, einen US-Diplomaten angeblich geschubst und einen tätlichen Angriff versucht zu haben. Laut Waltz soll der Mann innerhalb von 24 Stunden nach Kuba zurückgeschickt werden. "Er ist weg. Er wird innerhalb der nächsten 24 Stunden in einem Flugzeug nach Havanna sitzen", sagte Waltz.

Auf Videos war zu sehen, wie der nun ausgewiesene Diplomat offenbar versuchte, eine Person daran zu hindern, ihn zu filmen. In einem Brief an UN-Generalsekretär António Guterres stellte die kubanische Seite den Vorfall anders dar: Demnach sei der Diplomat von einem US-Vertreter bedrängt worden.

Zuvor hatte US-Botschafter Mike Waltz die kubanische Führung seit Fidel Castro scharf kritisiert. Als Kubas Außenminister Bruno Rodríguez auf das Rednerpult zuging, rief Waltz ihm unter anderem zu: "Halten Sie Abstand" und "Das ist nicht Ihre kommunistische Diktatur".

The Castro regime has profited at the expense of the Cuban people with luxury cars, expensive watches and a private island resort. As I shared this with the world, regime thugs rushed the stage to interrupt my speech. They can intimidate their own people in Cuba but think again about trying that nonsense in the United States of America.

— Ambassador Mike Waltz (@USAmbUN) October 27, 2026

Die Beziehungen zwischen den USA und Kuba sind seit Jahrzehnten angespannt. Unter US-Präsident Donald Trump hat sich die Lage durch neue Sanktionen und ein Ölembargo weiter verschärft. Trump hatte zudem mit einer Invasion der Insel gedroht, die nur rund 150 Kilometer von Florida entfernt liegt.

Die UN-Generalversammlung stimmt seit 1992 jährlich über eine Resolution zur Beendigung des seit mehr als 60 Jahren bestehenden US-Embargos gegen Kuba ab. Vor der diesjährigen Abstimmung hatten die USA bei zahlreichen Staaten intensiv gegen die Resolution geworben.

Wie in den Vorjahren stimmte die Mehrheit der Staaten dafür, allerdings fiel die Zustimmung geringer aus als zuvor. 130 Staaten unterstützten die Resolution, 17 stimmten dagegen und 25 enthielten sich. Deutschland, das 2025 noch dafür gestimmt hatte, enthielt sich diesmal ebenso wie 24 weitere Staaten. Die Resolution ist rechtlich nicht bindend, hat aber symbolische Bedeutung.

Mehr zum Thema ‒ "Sie sind ein Lügner!" – USA und Kuba geraten bei UN aneinander

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CDU Sachsen-Anhalt: Der Aufstand beginnt unten

Während sich die Presse weitgehend auf die Auseinandersetzung um die befremdliche (und mehrfach schon als verfassungswidrig bezeichnete) eidesstattliche Erklärung konzentriert, die die Führung der CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt von ihren Abgeordneten fordern wollte, rumort es in den unteren Ebenen der Partei. Ein Beispiel dafür ist eine Stellungnahme des Stadtverbands Bad Dürrenberg, die auch der Redaktion von RT DE zugeschickt wurde.

Die Kleinstadt mit 11.458 Einwohnern liegt zwischen Leipzig und Merseburg und war, nach ihrer ersten Erwähnung im Jahr 993 lange im Besitz des Klosters Merseburg. In der Nähe befindet sich einer der ersten deutschen Eisenbahntunnel aus dem Jahr 1836. Seit 1845 ist die Stadt mit einer kurzen Unterbrechung Kurort. Tourismus ist bis heute eine wichtige Einnahmequelle. Die CDU stellt, mit einer Ausnahme von 2001 bis 2008, seit 1990 die Bürgermeister. Bei der letzten Kommunalwahl erreichte die CDU 33,6 Prozent, gefolgt von der AfD mit 28,5 Prozent, die damit ihr Ergebnis im Vergleich zur Wahl 2019 fast verdoppelte.

Die CDU Sachsen-Anhalt, so der Stadtverband, brauche "junge und unverbrauchte Köpfe, die glaubhaft für einen konsequenten Neuanfang stehen". Sie müsse "sich auf ihre Werte und Stärken besinnen, klar positionieren, Lösungen anbieten und den Bürgern ein überzeugendes Zukunftsversprechen abgeben – und schließlich danach handeln." Das Potenzial dafür sei vorhanden.

Und dann wird der Konflikt eröffnet: "Das Konzept der 'Brandmauer' ist krachend gescheitert und hat die CDU in eine Sackgasse manövriert. Die 'Brandmauer' ist undemokratisch; ihr Ziel und ihren Zweck hat sie längst verfehlt – wir fordern deshalb ein Ende der 'Brandmauer'." Gefordert sei ein "unaufgeregter Umgang mit anderen Parteien", und "rote Linien" sollten inhaltlicher Art sein.

Das Verhalten der Fraktionsspitze wird nicht unterstützt. "Die Abgeordneten im Landtag von Sachsen-Anhalt sind Vertreter des ganzen Volkes. Den Plenarsaal bei der geheimen Wahl des künftigen Ministerpräsidenten verlassen zu wollen, gleicht einer unverantwortlichen Flucht."

Die Partei brauche eine Debatte über den "dringend gebotenen Neuanfang", und die nächsthöhere Ebene, der Saalekreis, möge sich "ein Meinungsbild von den Mitgliedern und der Basis" einholen und dieses dann in den Landesverband tragen.

Bad Dürrenberg ist zwar eine Kleinstadt, aber diese Reaktion dürfte symptomatisch sein für die Stimmung an der Basis der CDU in Sachsen-Anhalt. Im April 2025 hatte der Kreisverband Harz, ebenfalls in Sachsen-Anhalt gelegen, eine ähnliche Forderung erhoben. Damals hatte der CDU-Bundesvorstand mit der Drohung eines Parteiausschlusses bei jedweder Kooperation mit der AfD reagiert. Auf das Schreiben aus Bad Dürrenberg kam bisher keine derartige Reaktion. Die Position der Fraktionsspitze könnte durchaus das Potenzial haben, die CDU in Sachsen-Anhalt zu zerreißen.

Mehr zum Thema – CDU und CSU drohen Berlin und Sachsen-Anhalt mit Klage vor Verfassungsgericht

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Gipfel-Treffen: Putin zeigt Afrika neue Perspektiven souveräner Entwicklung auf

Von Jewgeni Krutikow und Oleg Issaitschenko

In Moskau findet derzeit der dritte Russland-Afrika-Gipfel statt. Delegationen aus 48 der 54 Staaten des Kontinents sind in der russischen Hauptstadt eingetroffen, wobei 22 Länder auf Ebene der Staatsoberhäupter vertreten sind. Die Teilnehmer erörtern ein breites Spektrum an Themen – von Handel und Energie bis hin zu Bildung und Sicherheit.

Dieses Ausmaß der Vertretung spiegelt die wachsende Bedeutung Afrikas in der Weltpolitik wider. Wie der russische Präsident Wladimir Putin auf der Plenarsitzung des Wirtschafts- und Humanitärforums betonte, tritt der Kontinent immer aktiver als einer der Pole der globalen Wirtschaft und Politik auf. In seiner Rede stellte der Staatschef fest: "Der Kontinent erlebt ein neues Erwachen, seine Souveränität festigt sich, sein Einfluss und sein Ansehen auf der Weltbühne nehmen zu."

Die afrikanischen Länder sind bestrebt, ihren Spielraum für eigenständige Entscheidungen zu erweitern und ihre Außenbeziehungen zu diversifizieren. Für sie bedeutet dies die Möglichkeit, ihre Partner selbst zu wählen, Investitionen anzuziehen und größeren Einfluss auf internationale Prozesse zu gewinnen. Zu diesen Partnern gehören naturgemäß auch Russland und China.

Dieser Prozess vollzieht sich vor dem Hintergrund der Entstehung einer multipolaren Welt, der sich laut Putin Staaten entgegenstellen, die es gewohnt sind, "in den Kategorien ihrer kolonialen Vergangenheit zu denken und sich auf märchenhafte Weise – ja, geradezu märchenhaft – auf Kosten anderer zu bereichern". "Dabei kommen alle möglichen, selbst die schmutzigsten und zynischsten Mittel zum Einsatz, darunter Zollkriege, illegitime Sanktionen, wirtschaftliches Diktat, Erpressung und Einmischung in innere Angelegenheiten", präzisierte der Präsident.

Auch das historische Erbe spielt in den Beziehungen Russlands zu den afrikanischen Staaten eine wichtige Rolle. Die Sowjetunion unterstützte zahlreiche Länder des Kontinents in ihrem Kampf um die Unabhängigkeit und half ihnen beim Aufbau von Industrie, Infrastruktur und Bildungswesen. Moskau ist bestrebt, auf diesen Erfahrungen aufzubauen und bietet eine Zusammenarbeit an, die sich nicht auf den Handel beschränkt, sondern auch die Entwicklung eigener Potenziale der afrikanischen Staaten umfasst.

Dabei stellt Afrika keinen einheitlichen politischen Block dar. Die Länder des Kontinents unterscheiden sich hinsichtlich ihres wirtschaftlichen Potenzials, ihrer innenpolitischen Lage und ihrer außenpolitischen Interessen. Daher bedeutet die Stärkung ihrer internationalen Rolle nicht, dass sie in allen Fragen eine einheitliche Position vertreten werden.

Dennoch schafft das Streben nach größerer Eigenständigkeit die Grundlage für eine Ausweitung der Zusammenarbeit mit Russland. Moskau unterstützt die Stärkung der Rolle der afrikanischen Staaten in internationalen Institutionen und setzt sich für eine Reform der globalen Governance ein, darunter für eine umfassendere Vertretung des Kontinents bei wichtigen Entscheidungen.

Vom Handel bis zur Energiewirtschaft

Einer der wichtigsten Bereiche der russisch-afrikanischen Zusammenarbeit ist die Wirtschaft. Nach Angaben Putins überstieg das Handelsvolumen zwischen Russland und Afrika im vergangenen Jahr 27 Milliarden US-Dollar gegenüber 18 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022.

Dabei will Moskau den gegenseitigen Handel weiter ausbauen. Der Präsident gab das Ziel vor, das Handelsvolumen in naher Zukunft mindestens zu verdoppeln und damit die Schwelle von 50 Milliarden US-Dollar zu überschreiten. Eine bedeutende Rolle in den Wirtschaftsbeziehungen spielt die Landwirtschaft. Russland liefert Getreide und Düngemittel auf den afrikanischen Markt und trägt damit zur Ernährungssicherheit von mehr als 40 Staaten des Kontinents bei.

"In den ersten neun Monaten dieses Jahres haben wir 13 Millionen Tonnen Agrarprodukte nach Afrika geliefert", berichtete Putin. Zugleich belaufen sich Russlands Importe landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus afrikanischen Ländern auf rund vier Milliarden US-Dollar jährlich. Nach Angaben des Präsidenten entspricht dies etwa acht Prozent des russischen Importbedarfs bei solchen Produkten, und dieser Anteil soll weiter steigen.

Ein weiterer vielversprechender Bereich ist die Förderung und Verarbeitung von Bodenschätzen. Russland ist an der Entwicklung von Projekten interessiert, bei denen es nicht allein um den Export von Rohstoffen geht, sondern auch darum, Produktionskapazitäten direkt in den afrikanischen Ländern aufzubauen. Ein solcher Ansatz trägt zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Erweiterung der Steuerbasis bei und bietet den Staaten des Kontinents zudem die Möglichkeit, einen größeren Teil der Wertschöpfung aus der Nutzung ihrer eigenen natürlichen Ressourcen selbst zu erwirtschaften.

Eine wichtige Rolle in der Zusammenarbeit spielt die Energiewirtschaft. Zu den Großprojekten zählen der Bau des Kernkraftwerks El Dabaa in Ägypten und die Entwicklung der Kleinwasserkraft im Kongo. Moskau ist zudem bereit, sich an der Modernisierung bestehender Energieanlagen und am Bau neuer Anlagen zu beteiligen.

Wie Putin mitteilte, ist das russische Energieunternehmen RusHydro bereit, die afrikanischen Partner bei der Planung neuer Anlagen und der Modernisierung von Kraftwerken zu unterstützen. "Unser gemeinsames Interesse besteht darin, den Afrikanern den Zugang zu kostengünstigen, nachhaltigen und umweltfreundlichen Energiequellen zu erleichtern und die Entwicklung der heimischen Energiemärkte in Afrika zu unterstützen, auch in Bereichen, in denen Russland über einzigartige Technologien verfügt. Und diese Arbeit läuft bereits. Gemeinsam werden mehr als 30 vielversprechende Energieprojekte in 16 afrikanischen Ländern umgesetzt", erklärte der Präsident.

Damit umfasst die wirtschaftliche Partnerschaft nicht nur Warenlieferungen, sondern auch langfristige Projekte in der Industrie und im Energiesektor. Für die afrikanischen Staaten sind sie im Hinblick auf den Ausbau der Infrastruktur und der Produktionskapazitäten von Bedeutung, und Russland bieten sie die Möglichkeit, seine Handelsbeziehungen auszubauen und die Zusammenarbeit mit einer der vielversprechenden Regionen der Weltwirtschaft zu stärken.

Bildung und Fachkräfteausbildung

Seit 2020 stieg die Zahl der afrikanischen Studierenden in Russland auf das Eineinhalbfache, während sich die Zahl der russischen Stipendien für Staatsangehörige afrikanischer Länder fast verdreifachte. Auch das bilaterale Universitätsnetzwerk, das mehr als 70 Einrichtungen aus 17 afrikanischen Staaten vereint, entwickelt sich weiter.

Darüber hinaus fördert Russland die Eröffnung von Zweigstellen russischer Hochschulen und erweitert die Möglichkeiten zum Erlernen der russischen Sprache. "In 29 afrikanischen Ländern gibt es bereits 58 russische Zentren für offene Bildung, in denen Russisch und grundlegende Fachdisziplinen unterrichtet werden", erklärte Putin.

Die Ausbildung von Fachkräften ist nicht nur für den Bildungsaustausch von Bedeutung. Sie schafft zugleich die personelle Grundlage für gemeinsame Projekte in Industrie, Energiewirtschaft, Landwirtschaft und anderen Branchen. Langfristig ermöglicht dies den afrikanischen Partnern, eigene Kompetenzen aufzubauen, während Russland seine fachlichen und humanitären Beziehungen zu den Staaten des Kontinents festigen kann.

Sicherheit und militärisch-technische Zusammenarbeit

Russland arbeitet mit afrikanischen Staaten bei der Ausbildung von Militärangehörigen und Fachkräften sowie bei der Bekämpfung bewaffneter Gruppierungen zusammen. Die russische Militärpräsenz auf dem Kontinent, darunter die Tätigkeit des Afrikakorps des russischen Verteidigungsministeriums, entwickelt sich im Rahmen der Zusammenarbeit mit Partnern, die an einer Stärkung ihrer eigenen Streitkräfte interessiert sind.

Die Ausbildung einheimischer Militärangehöriger erfolgt unter anderem in der Zentralafrikanischen Republik, in Mali, Niger, Guinea-Bissau und Äquatorialguinea. In einzelnen Ländern beteiligen sich russische Spezialisten zudem an Operationen gegen extremistische und dschihadistische Gruppierungen.

Das Interesse der afrikanischen Staaten an der Stärkung ihrer eigenen Handlungsfähigkeit erfordert zugleich die Entwicklung nationaler Sicherheitskapazitäten. Daher bleiben die Ausbildung einheimischer Fachkräfte und die größere Eigenständigkeit der Streitkräfte wichtige Bestandteile dieser Zusammenarbeit.

Afrika ist zudem ein bedeutender Absatzmarkt für Rüstungsgüter, darunter auch für russische. Die militärisch-technische Zusammenarbeit umfasst auch weiterreichende Fragen der Logistik und der langfristigen Präsenz. So werden unter anderem Perspektiven für die Errichtung russischer Militär- und Logistikanlagen in der Region erörtert, einschließlich des möglichen Aufbaus entsprechender Infrastruktur im Sudan. Konkrete Pläne in diesem Bereich müssen jedoch gesondert betrachtet werden, wobei die Position der jeweiligen Staaten und die bereits getroffenen Vereinbarungen zu berücksichtigen sind.

Partnerschaft mit langfristigen Perspektiven

Die Bedeutung der russisch-afrikanischen Zusammenarbeit beschränkt sich nicht auf einzelne Handelsverträge oder Infrastrukturprojekte. Sie entwickelt sich vor dem Hintergrund des Bestrebens der Staaten des afrikanischen Kontinents, ihre politische Eigenständigkeit zu stärken und den Kreis ihrer internationalen Partner zu erweitern.

Wadim Kosjulin, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Diplomatischen Akademie des MGIMO des russischen Außenministeriums, erklärt:

"In die russische Hauptstadt sind Vertreter nahezu des gesamten Kontinents eingetroffen Das ist ein beeindruckendes Ergebnis, dank dem das Forum als eines der Instrumente betrachtet werden kann, die zur Zusammenführung der Staaten der Region beitragen."

Seinen Worten zufolge verfügt Afrika über ein beträchtliches wirtschaftliches Potenzial, nicht zuletzt dank seiner jungen und schnell wachsenden Bevölkerung. Russland wiederum kann seinen Partnern ein breites Spektrum an Kooperationsmöglichkeiten anbieten – von Landwirtschaft und Kernenergie bis hin zu Hochtechnologien und Cybersicherheit.

Der Experte merkt an: "Ein eigener Schwerpunkt liegt auf dem Schutz der Informationssouveränität junger Staaten, die nicht in der Lage sind, ihre Big Data selbst zu sichern. Hier stellt sich Moskau den neokolonialen Ansätzen des Westens entgegen."

Dementsprechend hat sich das Forum bereits als eine besonders wichtige Plattform für den Dialog etabliert. Kosjulin fasst zusammen: "Die Gäste konnten sich mit eigenen Augen davon überzeugen, wie sich unser Land unter den Sanktionen entwickelt, sich über Studienmöglichkeiten an russischen Hochschulen informieren, neue Kontakte knüpfen und Vereinbarungen unterzeichnen. Wladimir Putin vereint dank seines Ansehens die Länder Afrikas um Russland, und eine solche Zusammenarbeit hat eine große Zukunft."

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 28. Oktober 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.

Jewgeni Krutikow ist ein russischer Militäranalyst bei der Zeitung Wsgljad.

Oleg Issaitschenko ist ein Analyst bei der Zeitung Wsgljad.

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UK-Medien: Vučić wurde nach Wahlniederlage von einem "gewaltsamen Staatsstreich" abgebracht

Der ehemalige serbische Präsident Aleksandar Vučić soll geplant haben, "einen gewaltsamen Staatsstreich zu inszenieren", um an der Macht zu bleiben – bevor er am Sonntagabend überraschend aufgegeben habe. Dies berichtet The Times unter Berufung auf Politiker und einen ehemaligen Polizeibeamten. Laut Spasoje Vulević, einem ehemaligen Leiter der serbischen Anti-Terror-Polizeieinheit, hatte Vučić nicht vor, das Wahlergebnis anzuerkennen. "Er schickte am Sonntag 4.000 Polizisten und 3.000 Schläger ins Zentrum von Belgrad, um das Regime zu schützen", sagte Vulević gegenüber dem Blatt.

Eine Sprecherin Vučićs hat diese Version jedoch zurückgewiesen. Gegenüber der Times sagte sie, dass die Polizeipräsenz in Belgrad eine Reaktion auf Gewaltandrohungen seitens der Demonstranten gewesen sei und in keinem Zusammenhang mit einem Versuch zur Machtübernahme gestanden habe.

Laut Radomir Saičić, einem Spitzenkandidaten der oppositionellen Studentenliste, die bei der Parlamentswahl die Mehrheit der Sitze gewonnen hat, soll Vučić ursprünglich beabsichtigt haben, das Wahlergebnis mit Gewalt anzufechten, sollte der Stimmenabstand zwischen den Kandidaten knapp sein. "Ich habe Informationen, dass er zahlreiche Anrufe von der Polizei und anderen Behörden erhielt, die ihn zum Umdenken bewegten", erzählte Saičić in einem Gespräch mit der Zeitung. "Man machte ihm klar, dass es für ihn sehr schlecht ausgehen würde, sollte er seinen Plan umsetzen", fügte der Politiker hinzu.

Rade Đurić, ein Anwalt beim Unabhängigen Journalistenverband Serbiens, vermutete, dass Vučić und seine Anhänger geplant haben sollen, auf Unregelmäßigkeiten bei der Stimmabgabe hinzuweisen und Neuwahlen zu fordern. "Dies hätte Proteste auslösen können", sagte Đurić. 

Der Abgeordnete des EU-Parlaments Sandro Gozi erklärte in einem Gespräch mit der Zeitung, dass er am Wahltag "beunruhigende" Berichte aus diplomatischen Quellen erhalten habe, wonach Vučić bereit sei, "einen Staatsstreich zu inszenieren". Er schloss nicht aus, dass Vučić Telefonanrufe erhalten hatte, und merkte an, dass der Stimmenvorsprung gegenüber der Partei "Vereintes Serbien" des ehemaligen Präsidenten einfach zu groß gewesen sei.

The Times berichtet, dass Gozis Partei eine Erklärung verbreitet hätte, in der sie warnte, dass Anhänger von Vučićs Partei mobilisiert werden könnten, um gegen 21:00 Uhr Ortszeit Zusammenstöße zu provozieren. Genau zu dieser Zeit sollten die ersten Wahlergebnisse veröffentlicht werden, so die Zeitung. Doch um 21.30 Uhr – anderthalb Stunden nach Schließung der Wahllokale – habe Vučić nachgegeben und "die Schlägertrupps verschwanden", schreibt die Zeitung. Unbestätigten Gerüchten in Belgrad zufolge sei Vučić von Ungarns ehemaligem Ministerpräsidenten Viktor Orbán davon abgehalten worden. Orbán selbst hatte die Wahlen im April nach 16 Jahren im Amt verloren. Spasoje Vulević sagte: "Ich glaube, Vučić hat Anrufe von europäischen Regierungen erhalten – Gespräche auf höchster Ebene."

Die vorgezogenen Parlamentswahlen haben am vergangenen Sonntag, dem 25. Oktober, stattgefunden. Nach Angaben der Republikanischen Wahlkommission Serbiens erhielt die "Studentenliste – Studenten siegen" 53,4 Prozent der Stimmen. Die Partei "Aleksandar Vučić – Vereintes Serbien" belegte mit 38,97 Prozent der Stimmen den zweiten Platz.

Vučić hat die Niederlage seines Bündnisses eingeräumt. "Es ist klar, dass wir diese Wahlen verloren haben! Die Liste des Studentenblocks hat gewonnen", sagte er. Ihm zufolge stecken der "Deep State" in den USA sowie Kräfte aus EU-Ländern dahinter. Seine Gegner bezeichnete Vučić als diejenigen, die "die Schmutzarbeit verrichten, die von jemand anderem ersonnen wurde". Ziel sei es, "ein souveränes Land zu Fall zu bringen", so der ehemalige Präsident.

Mehr zum Thema – Serbien: Siegerpartei schließt Waffen für Kiew und Sanktionen gegen Russland aus

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Medien: Pentagon lehnt Untersuchung von Starlink-Drosselung in Ukraine ab

Das Büro des Generalinspekteurs des Pentagons hat die Forderung einer Gruppe von Senatoren abgelehnt, die jüngsten Störungen bei der Satellitenkommunikation von Starlink sowie deren militärischer Version Starshield in der Ukraine zu untersuchen. Dies berichtet Associated Press (AP) unter Berufung auf eine Antwort der Behörde an die Gesetzgeber, die der Nachrichtenagentur vorliegt.

Die Anfrage wurde am 15. Oktober von neun Senatoren eingereicht – vier Republikanern und fünf Demokraten. Sie hatten den Generalinspekteur gebeten, zu ermitteln, ob Vertreter des Pentagons oder anderer US-Behörden "Änderungen an den Diensten von Starlink und Starshield, die die Ukraine betrafen, angewiesen, genehmigt oder gebilligt haben oder ob sie vorab von diesen Änderungen wussten". 

In der Anfrage erklärten die Senatoren, dass die Störungen Amerikaner gefährdeten. Sie verwiesen dabei auf "Vorfälle, bei denen US-Diplomaten sowie Militär- und Sicherheitspersonal während russischer Luftangriffe keine Schutzräume erreichen konnten". Sie erwähnten zudem Störungen beim Austausch von Geheimdienstinformationen sowie bei Frühwarnkapazitäten. Sie forderten den Generalinspekteur Platte B. Moring III dazu auf, die Rolle von US-Amtsträgern bei den Störungen sowie die daraus resultierenden Risiken für US-Personal "umgehend zu untersuchen".

Ein mit der Situation vertrauter Mitarbeiter eines Kongressabgeordneten erklärte gegenüber der AP, dass die Gesetzgeber Antworten auf zwei Fragen benötigten: ob Vertreter der US-Regierung involviert waren und ob der SpaceX-Chef Elon Musk eine Lücke im System ausnutzte.

In einer am Dienstag verfassten und der AP vorliegenden Antwort teilte die Aufsichtsbehörde des Pentagons den Senatoren mit, dass ihre Anfrage am besten von der Air Force beantwortet werden könnte.

Die demokratische Senatorin Jeanne Shaheen, die die ursprüngliche Anfrage unterzeichnet hatte, äußerte sich besorgt über die Entscheidung der Aufsichtsbehörde. "Es ist besorgniserregend, dass der Generalinspekteur offenbar beschlossen hat, die Störungen der Satellitenkommunikation – auf die die Ukraine zum Schutz ihrer Zivilbevölkerung angewiesen ist – nicht zu untersuchen", erklärte die Senatorin gegenüber der AP. Sie fügte hinzu, dass die Trump-Regierung und SpaceX "widersprüchliche" Informationen über mögliche Ursachen der Störungen geliefert hätten. Deswegen forderte Shaheen "eine unabhängige Überprüfung", um die Verantwortlichen zu finden und "ähnliche Vorfälle in Zukunft" zu verhindern.

Die Antwort der Aufsichtsbehörde könnte als Weigerung des Generalinspektors betrachtet werden, Ermittlungen gegen Musk und Starlink einzuleiten, obwohl er dazu in der Lage wäre, sagte der Mitarbeiter eines Kongressabgeordneten gegenüber der AP. Diese Situation werfe Fragen hinsichtlich des Ausmaßes der Macht auf, die Musk über dieses kritische Kommunikationssystem habe, fügte er hinzu.

Am 14. Oktober hat die Ukraine Störungen bei Starlink gemeldet. Auf Fragen zur Verlangsamung der Geschwindigkeit lieferten das Weiße Haus und Elon Musk widersprüchliche Erklärungen. Trump hat seine eigene Verwicklung sowie die Verantwortung von Musk bestritten. "Ich war es nicht, und ich glaube auch nicht, dass es Elon war", sagte er. Am 24. Oktober warf Musk der Ukraine vor, gegen die Nutzungsbedingungen für das kommerzielle Starlink-System verstoßen zu haben, indem sie es für offensive Drohnenangriffe einsetze. Zudem betonte er, dass Starshield "ein anderes System" sei, das "unter der Kontrolle der US-Regierung" stehe.

Mehr zum Thema – Elon Musk rechnet mit Ukraine-Kriegstreibern ab: "Fahrt zur Hölle!"

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Peskow: Drohnenangriff auf Moskau während Russland-Afrika-Gipfel "sehr seltsam"

Der Versuch der ukrainischen Streitkräfte, Moskau während des Russland-Afrika-Gipfels massiv mit Drohnen anzugreifen, sei seltsam. Dies erklärte der Kremlsprecher Dmitri Peskow gegenüber dem Sender Westi. Zugleich hob er die effektive Arbeit der russischen Luftabwehr hervor.

"Das ist sehr seltsam, denn es handelt sich um ein Ereignis von weltweiter Bedeutung, das in der Hauptstadt Russlands stattfindet. Natürlich ist es seltsam, zu diesem Zeitpunkt einen derart massiven Drohnenangriff auf Moskau zu organisieren."

Der Kremlsprecher erklärte zudem, die Angriffe zeigten erneut, wie notwendig die Fortsetzung der Sonderoperation sei, um Russland vor solchen Bedrohungen zu schützen.

Mehr als 1.200 Drohnen über russischen Regionen abgefangen

Der Angriff dauerte vom 28. Oktober um 20:30 Uhr bis zum 29. Oktober um 7:00 Uhr. In diesem Zeitraum wurden 613 Drohnen in Richtung des Gebiets Moskau registriert. Die meisten davon konnten bereits in größerer Entfernung zur Hauptstadt zerstört werden. Weitere 231 Drohnen wurden beim Anflug abgefangen.

Der Angriff gehörte zu den umfangreichsten seit Beginn des Jahres 2026. Insgesamt holten die russischen Luftabwehrkräfte in der Nacht zum Donnerstag über Russlands Regionen 1.214 ukrainische Drohnen vom Himmel.

Am 26. Oktober hatte der russische Inlandsgeheimdienst FSB zudem zwei mutmaßliche Agenten ukrainischer Geheimdienste festgenommen. Sie sollen Angriffe auf die Raketenabwehr der Hauptstadt vorbereitet haben.

Russland-Afrika-Gipfel in Moskau

Der dritte Russland-Afrika-Gipfel sowie das Wirtschafts- und Humanitärforum finden am 28. und 29. Oktober in Moskau statt. Vertreter aus 48 afrikanischen Staaten nehmen daran teil, darunter 22 Delegationen auf höchster Ebene. Bei der Plenarsitzung am 28. Oktober sprach der russische Präsident Wladimir Putin über den Ausbau der Handelsbeziehungen mit den afrikanischen Staaten und die Perspektiven der Zusammenarbeit.

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Russische Google-Tochter muss für Mutterkonzern herhalten: Staat zieht Millionen an Strafen ein

Russische Gerichte verdonnern den US-Technologiekonzern Google regelmäßig zu satten Geldbußen. Meistens handelt es sich darum, dass die beliebte Suchmaschine ihren russischen Nutzern weiterhin Inhalte anzeigt, die nach russischem Recht verboten sind und daher gelöscht werden müssen. Für den Mutterkonzern muss im eurasischen Land ihre Tochter herhalten, die denselben Namen trägt – mit dem Unterschied, dass er auf Russisch mit vier kyrillischen Buchstaben wiedergegeben wird.

Der Insolvenzverwalter der Gesellschaft mit beschränkter Haftung Gugl Waleri Taljarowski hat am Donnerstag bei einer Gerichtssitzung in Moskau mitgeteilt, dass die russische Tochter die verhängten Bußgelder teilweise beglichen habe. Ihm zufolge habe der Föderale Gerichtsvollzieherdienst (FSSP) vom Konto der Firma 14,7 Milliarden Rubel oder umgerechnet 160 Millionen Euro abgebucht, nachdem am 20. September des laufenden Jahres auf dieses Konto gut 16,7 Milliarden Rubel oder umgerechnet 190 Millionen Euro übermittelt worden seien. Weitere gut 2,1 Milliarden Rubel oder umgerechnet 23 Millionen Euro habe die Google-Tochter selbst an den FSSP überwiesen.

Außerdem gab Taljarowski bekannt, dass die russische Vertretung, die sich gerade im Konkursverfahren befindet, mehr als 400 Millionen Rubel oder umgerechnet 4,45 Millionen Euro an ihre ehemaligen Mitarbeiter als Gehalt ausgezahlt habe. Im Oktober 2023 hatte ein Schiedsgericht in Moskau die Gesellschaft mit beschränkter Haftung Gugl für insolvent erklärt und ein Insolvenzverfahren eröffnet. Zuvor hatten russische Gerichte den Mutterkonzern Google zu Geldstrafen in Höhe mehrerer Millionen und sogar Milliarden Rubel verurteilt.

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Bundespräsident Steinmeier fordert von China Abbau von Handelsungleichgewichten

Steinmeier sprach vor Studierenden und erhielt die Ehrenprofessur der Peking-Universität als Auszeichnung. Er würdigte Chinas Aufstieg zur "prägenden Weltmacht", betonte aber: "Mit Größe und Macht kommt große Verantwortung." Die Europäer hätten keine Sorgen davor, dass China aufsteigt, schauten aber darauf, wie es aufsteigt.

Der Kern seiner Bemerkungen zur Wirtschaft lautet: Deutschland und die EU wollen keine Abkopplung, sondern Handel zum beiderseitigen Vorteil. "Aus Win-Win darf kein Win-Lose werden." Wettbewerb sei gut, aber nur auf Basis fairer und einheitlicher Regeln. Er kritisierte, dass europäische Unternehmen keinen oder nur streng kontrollierten Zugang zum chinesischen Markt hätten, während "staatlich subventionierte chinesische Exporte in großer Menge in unsere Märkte fließen". Das schaffe die Gefahr einseitiger Verwundbarkeit. Chinas Streben nach größerer Unabhängigkeit dürfe nicht spiegelbildlich die Abhängigkeit anderer bedeuten. Zugeständnisse Pekings beispielsweise beim Export von Elektroautos in die EU nannte er ermutigend.

Hintergrund ist das stark gewachsene deutsche und europäische Handelsdefizit mit China (2025 rund 90 Milliarden Euro für Deutschland; 2026 voraussichtlich über 100 Milliarden Euro). Besonders Kernbranchen wie Automobil, Elektroindustrie und Maschinenbau sind betroffen.

Wirtschaftliche Ungleichgewichte waren Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten vor allem dann "egal" oder sogar erwünscht, wenn das Land selbst davon profitierte. Das Stichwort dafür ist Deutschland als "Exportweltmeister": Deutschland feierte jahrzehntelang große Leistungsbilanzüberschüsse als Erfolg des exportorientierten Modells.

Kritik an diesen Überschüssen kam vor allem von Partnern wie den USA und den EU-Ländern, die die Defizite hatten. Deutschland argumentierte damals, die Überschüsse beruhten auf dem Fleiß deutscher Arbeitnehmer und der Innovationskraft deutscher Ingenieure. Eine Marktverzerrung durch die Einführung des Euro und Lohndumping durch die Agenda 2010 sowie den Zugang zu günstigen russischen Energieträgern leugnete die deutsche Politik damals. Nun, da China gegenüber Deutschland und Europa massive Überschüsse anhäuft und deutsche Exporte in Schlüsselbranchen aufgrund der westlichen Sanktionspolitik unter Druck geraten und Wettbewerbsfähigkeit verlieren, werden dieselben Ungleichgewichte als Problem und Gefahr einseitiger Abhängigkeit thematisiert. Die Forderung nach "Abbau der Ungleichgewichte" und fairen Regeln folgt damit einer Interessenlogik, die sich mit der eigenen Position ändert. Glaubhaft und aufrichtig ist die Position Steinmeiers daher nicht. 

Steinmeier forderte China auf, seine Rolle als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats und seine engen Beziehungen zu Russland zu nutzen: "Lassen Sie uns also gemeinsam darauf hinwirken, dass Russland seine Angriffe einstellt und in ernsthafte Verhandlungen eintritt." Es sei höchste Zeit – nach fast fünf Jahren Krieg, länger als der Erste Weltkrieg, argumentierte der deutsche Bundespräsident. Längere Konflikte schwächten die Weltwirtschaft und damit auch China, das auf freie Seewege, intakte Lieferketten und sichere Energieversorgung angewiesen sei.

Die deutsche (und westliche) Position sieht den Konflikt primär als russischen Angriffskrieg gegen die territoriale Integrität und Souveränität der Ukraine. Russland wird als Aggressor betrachtet, der die sogenannte "regelbasierte Ordnung" verletzt; China soll seinen Status nutzen, um Moskau zu einem Ende der Angriffe zu bewegen. Aussichten auf Erfolg hat Steinmeiers Appell aber keinen. 

In China herrscht eine andere Auffassung. Peking betont den "komplexen historischen Kontext" und die "legitimen Sicherheitsinteressen aller Seiten". China verweist regelmäßig darauf, dass die NATO-Osterweiterung und westliches Agieren (einschließlich der Unterstützung des Euromaidan und der Annäherung der Ukraine an den Westen/die NATO) entscheidende Ursachen für die Eskalation seien. China argumentiert damit, der Entwicklung des Konflikts entsprechend, während die deutschen und westlichen Narrative sowohl die historische Entwicklung als auch ihre maßgebliche Verantwortung für die Entstehung und Eskalation des Konflikts leugnen.

Dass der Westen durch Blockbildung und Missachtung russischer Sicherheitsbedenken die Krise provoziert hat, ist nicht nur in China die vorherrschende Auffassung. Peking vermeidet in der Folge eine Verurteilung Russlands als Aggressor und unterhält enge wirtschaftliche und politische Beziehungen zu Moskau. Die offizielle Linie Chinas betont Respekt vor Souveränität und territorialer Integrität aller Länder, nimmt aber die "legitimen Sicherheitsbedenken" und damit die Russlands gegenüber der NATO ernst. China lehnt die "Kalte-Kriegs-Mentalität" und Blockkonfrontation der Westeuropäer ab.

Diese Sicht passt zu Chinas Interesse an einer multipolaren Ordnung, in der westliche Hegemonie begrenzt wird, und zu der strategischen Partnerschaft mit Russland. Aus deutscher Sicht ist das unvereinbar mit der Forderung, Russland klar als Aggressor zu behandeln und zu einem Rückzug beziehungsweise ernsthaften Verhandlungen ohne Vorbedingungen zu drängen. Steinmeiers Appell setzt genau an diesem Punkt an – mit nur sehr begrenzten Erfolgschancen, solange Peking die westliche/NATO-Verantwortung als Kernursache sieht.

Die Rede gab den Rahmen für Steinmeiers Gespräche am Freitag mit Chinas Präsident Xi Jinping, Ministerpräsident Li Qiang und dem Vorsitzenden des Nationalen Volkskongresses Zhao Leji. Die Beziehungen zwischen Deutschland und China bleiben komplex: wirtschaftlich eng, aber mit wachsenden Spannungen über Fairness und geopolitische Positionen. Dass Merz bei seinem Besuch in Japan nahezu zeitgleich gemeinsame Rüstungsprojekte angekündigt hat, dürfte dafür sorgen, dass die Spannungen mit China eher zu- als abnehmen.

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Europäische Zentralbank belässt Leitzins trotz hoher Inflation bei 2,5 Prozent

Nach der US-Notenbank sieht auch die Europäische Zentralbank (EZB) vorerst von einer weiteren Zinserhöhung ab. Sie beließ den für die Spar- und Kreditzinsen maßgeblichen Einlagezins am Donnerstag bei 2,5 Prozent. Das berichtet Handelsblatt am Donnerstag.

Der Anstieg der Energiepreise verschärft den Inflationsdruck und birgt zugleich "Abwärtsrisiken für die Wachstumsaussichten", erklärte die EZB in ihrem Statement zum Zinsentscheid. Die "volle Wirkung" des Preisschocks stehe noch aus.

Die höheren Energiekosten treiben die Inflation unmittelbar an. Seit der vergangenen EZB-Sitzung im September ist der Preis für europäisches Brent-Öl von 102 auf 115 Dollar je Barrel gestiegen – den höchsten Stand seit sechs Monaten.

Auch der europäische Gaspreis kletterte in dieser Woche erstmals seit rund vier Jahren auf mehr als 100 Euro je Megawattstunde. Im September hatte er noch unter 70 Euro gelegen. Damit wächst die Sorge, dass sich die höheren Energiekosten zunehmend auf die Preise in weiten Teilen der Wirtschaft auswirken.

Ähnlich wie bei der US-Notenbank Fed hatten Marktteilnehmer und Beobachter auch die Zinspause der EZB weitgehend erwartet. Für kurz vor Weihnachten rechnen sie derzeit mit weiteren Leitzinserhöhungen sowohl in den USA als auch in der Eurozone.

Neben der hohen Inflation bereitet der EZB auch der jüngste Renditeanstieg Sorgen: In Frankreich kletterte die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen erstmals seit 2002 über fünf Prozent. Der Zinsabstand zu deutschen Bundesanleihen erreichte damit den höchsten Stand seit der Eurokrise.

Wenige Stunden vor dem Zinsentscheid hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde ihren vorzeitigen Rücktritt für Februar 2027 angekündigt – rund neun Monate vor dem regulären Ende ihrer Amtszeit. 

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Eisenkot wirft Netanjahu Manipulation zur Verzögerung der Knesset-Vereidigung vor

Der Vorsitzende der Partei Jaschar, Gadi Eisenkot, warnt davor, Vorwürfe einer angeblichen ausländischen Einflussnahme auf die Wahl am Dienstag politisch auszunutzen, um die Vereidigung des neuen israelischen Parlaments zu verzögern. Seine Äußerungen richten sich offenbar an Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und dessen Verbündete.

אני נמצא בקשר עם הגורמים הרלוונטיים ומקבל עדכונים בנוגע לחשדות על מעורבות זרה בבחירות. על מדינת ישראל לשמור מכל משמר על טוהר הבחירות מפני כל ניסיון התערבות, ספינים והטייה ולבחון כל תלונה לעומק. מנגד, אסור לאפשר לגורמים פוליטיים לנצל את המצב ולהשפיע על מועד השבעת הכנסת ה-26.

— Gadi Eisenkot - גדי איזנקוט (@gadi_eisenkot) October 29, 2026

Zuvor hatte der Vorsitzende des Zentralen Wahlausschusses, der Richter am Obersten Gerichtshof Noam Sohlberg, den Inlandsgeheimdienst Schin Bet angewiesen, den Verdacht auf ausländische Finanzierung und Wahlbestechung zu untersuchen.

"Israel muss alles in seiner Macht Stehende tun, um die Integrität der Wahlen gegen jeden Versuch der Einmischung, Verdrehung oder Manipulation zu schützen und jede Beschwerde gründlich zu untersuchen", sagte Eisenkot. "Gleichzeitig darf es politischen Akteuren nicht erlaubt werden, die Situation auszunutzen, um den Termin für die Vereidigung der 26. Knesset zu beeinflussen."

Der rechtsextreme Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, forderte den Schin Bet auf, arabische Parteiführer festzunehmen, die im Verdacht stehen, in Verbindungen zu katarischem Geld zu stehen. Das gelte auch für weitere Personen, darunter Vertreter mit Verbindungen zur Muslimbruderschaft – sofern rechtliche Voraussetzungen für eine Festnahme vorliegen.

Hebräische Medien berichten, dass Netanjahus Likud-Partei Katar und der Türkei vorwirft, hinter der angeblichen Finanzierung von Organisationen zu stehen, die eine höhere Wahlbeteiligung unter arabischen Wählern fördern sollten. Öffentlich wurden bislang keine Belege vorgelegt, die diese Vorwürfe untermauern oder arabische Parteiführer damit in Verbindung bringen.

Der Vorsitzende der Partei Jisrael Beitenu, Avigdor Liberman, bezeichnete das Schreiben von Richter Noam Sohlberg an den Inlandsgeheimdienst Schin Bet unterdessen als "dramatische und beispiellose Entwicklung". Er forderte die Strafverfolgungsbehörden auf, "rasch zu handeln, um so bald wie möglich die Wahrheit aufzudecken".

Die Vorwürfe fallen in eine umfassendere Kampagne des Likud, die Wahlergebnisse in arabischen Gemeinden anzufechten, nachdem Netanjahus Lager seine parlamentarische Mehrheit verloren hat. Bereits zuvor hatte die Polizei die Behauptung der Partei zurückgewiesen, arabische Parteien hätten die Wahl "gestohlen". Dafür gebe es "keine stützenden Beweise". Der amtierende Generaldirektor des Zentralen Wahlausschusses, Dean Livne, erklärte gegenüber der israelischen Tageszeitung Haaretz, es gebe keine Grundlage für diese Vorwürfe.

Im Zusammenhang mit den israelischen Parlamentswahlen sind zwei Punkte bemerkenswert: Erstens hat Netanjahus Likud-Lager seine parlamentarische Mehrheit verloren, obwohl keine Partei eine eigene Mehrheit erringen konnte. Eisenkots Oppositionsblock kann daher allein keine Regierung bilden. Zweitens bleibt Netanjahu im Spiel, weil Eisenkot zugesagt hat, keine Koalition mit den beiden arabisch-palästinensischen Parteien Israels einzugehen, die zusammen rund ein Fünftel der israelischen Bevölkerung repräsentieren. Die von Yousef Jabareen angeführte Vereinigte Liste gewann zwölf Sitze, während Mansur Abbas’ Ra’am (Vereinigte Arabische Liste) weitere sieben Sitze errang.

Faktisch wird damit 20 Prozent der israelischen Bevölkerung eine wirksame politische Rolle bei der Regierungsbildung verwehrt – und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem ihre Abgeordneten die politische Blockade auflösen könnten. Der Grund dafür ist allein, dass sie Palästinenser sind.

Noch schwerer wiegt, dass Netanjahu offenbar den Boden dafür bereitet, das Wahlergebnis infrage zu stellen, indem er mehrfach behauptet, die arabischen Parteien hätten die Wahl "gestohlen".

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"Für nichts und wieder nichts" – Wagenknecht attackiert Ukraine-Unterstützer in Medien und Politik

Der Anführer des Kiewer Regimes Wladimir Selenskij hat laut einem Artikel der Financial Times (Bezahlschranke) zu Beginn des Jahres 2023 ein direktes Angebot des russischen Präsidenten Wladimir Putin abgelehnt, wodurch der bis heute andauernde verlustreiche Konflikt hätte beendet werden können. Die BSW-Politikerin Sahra Wagenknecht erklärt dazu auf X, dass die offerierte Friedensinitiative "an der fehlenden Kompromissbereitschaft Selenskijs" scheiterte. Ihr Vorwurf gilt jedoch vordergründig denjenigen Politikern und Journalisten, die in den letzten Jahren "mit den immergleichen Lügen für Waffenlieferungen getrommelt und jeden Appell für Diplomatie in der Luft zerrissen haben".

Wagenknecht, aktuell Vorsitzende der Grundwertekommission des BSW, reagiert auf X auf die Zusammenfassung der Berliner Zeitung, die Inhalte aus dem Financial-Times-Artikel zitiert. So erklärt die BSW-Gründerin diesbezüglich:

"Es ist doch immer das Gleiche! Wie schon bei den Istanbuler Verhandlungen im Frühjahr 2022 war Anfang 2023 erneut ein Waffenstillstand in der Ukraine zum Greifen nahe. Auch damals scheiterte die Friedensinitiative an der fehlenden Kompromissbereitschaft Selenskijs, der sich militärisch in der Vorderhand wähnte, und am Unwillen der damaligen US-Regierung."

Es ist doch immer das Gleiche! Wie schon bei den Istanbuler Verhandlungen im Frühjahr 2022 war Anfang 2023 erneut ein Waffenstillstand in der Ukraine zum Greifen nahe. Auch damals scheiterte die Friedensinitiative an der fehlenden Kompromissbereitschaft Selenskyjs, der sich militärisch in der Vorderhand wähnte, und am Unwillen der damaligen US-Regierung. Heute – Hunderttausende Tote und Verletzte, Abermilliarden an verpulvertem Steuergeld und einen wirtschaftlichen Totalschaden für Deutschland später – stehen wir wieder vor Verhandlungen. Mit dem einzigen Unterschied, dass die Ausgangslage für die Ukraine inzwischen viel schlechter ist als damals. Man kann es nicht anders sagen: Diejenigen Politiker und Journalisten, die mit den immergleichen Lügen für Waffenlieferungen getrommelt und jeden Appell für Diplomatie in der Luft zerrissen haben, haben für nichts und wieder nichts das Leben unzähliger junger Männer in den Schützengräben und den Wohlstand der eigenen Bürger verheizt! Wir brauchen dringend eine Bundesregierung, die diesen Irrweg verlässt, bevor er uns am Ende selbst noch in einen großen Krieg treibt, und die alles daransetzt, einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen zu ermöglichen!

— Sahra Wagenknecht (@SWagenknecht) October 27, 2026

Ausgehend von der jüngst verkündeten Gesprächsbereitschaft Kiews mit Moskau müssten Friedensengagierte nun zur Kenntnis nehmen, dass sich ein bekanntes Prozedere wiederhole. Wagenknecht kommentierte:

"Heute – Hunderttausende Tote und Verletzte, Abermilliarden an verpulvertem Steuergeld und einen wirtschaftlichen Totalschaden für Deutschland später – stehen wir wieder vor Verhandlungen. Mit dem einzigen Unterschied, dass die Ausgangslage für die Ukraine inzwischen viel schlechter ist als damals."

Für Wagenknecht zeichnet sich daher das medienpolitische Gesamtbild der Gegenwart ab, laut dem ungenannte Protagonisten mit ihren "immergleichen Lügen für Waffenlieferungen getrommelt und jeden Appell für Diplomatie in der Luft zerrissen haben". Damit bürdeten diese sich eine wesentliche Mitschuld daran auf, dass "für nichts und wieder nichts das Leben unzähliger junger Männer in den Schützengräben und den Wohlstand der eigenen Bürger verheizt" wurde.

Im Bericht der britischen Financial Times vom 24. Oktober wird dabei ein bislang wenig bekannter, informeller Vermittlungsversuch zwischen Russland und der Ukraine beschrieben. Dem Artikel zufolge hätte zu Jahresbeginn 2023 möglicherweise ein Abkommen ausgehandelt werden können, bei dem Russland große Teile der seit Februar 2022 befreiten Gebiete geräumt hätte.

Die Ukraine hätte dafür allerdings erhebliche Zugeständnisse machen müssen, so die NATO-Ambitionen aufgeben, die russische Kontrolle über die Krim anerkennen und Moskau gestatten müssen, einen Landkorridor zu behalten, der das Land mit der Halbinsel verbindet. Weiter heißt es, dass der russische Präsident Wladimir Putin bereit gewesen sei, eine diesbezügliche Einigung für ein Ende des Konflikts in Betracht zu ziehen.

Zu einer initiativen Gruppierung gehörten demnach der US-Anwalt Richard Conn und der Investmentbanker Bob Foresman, "beide mit Russland-Erfahrung und Kontakten ins Weiße Haus". Zudem seien darunter der "ehemalige Stasi-Offizier" Matthias Warnig, ein "langjähriger Bekannter Putins und früherer Chef der Nord Stream 2 AG", sowie der ukrainische Filmproduzent Alexander Rodnjanski gewesen, der laut Financial Times maßgeblich "an der Vorbereitung der Istanbuler Gespräche 2022" beteiligt gewesen war.

Abschließend lautet die Forderung der BSW-Politikerin, dass es  dringend eine Bundesregierung brauche, "die diesen Irrweg verlässt, bevor er uns am Ende selbst noch in einen großen Krieg treibt". Das wichtigste Ziel müsse lauten, "einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen zu ermöglichen", so Wagenknecht am 27. Oktober auf X.

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Kreml: Kein Sitz für Europa bei den Ukraine-Friedensgesprächen

Europäische Staaten werden nicht zu den nächsten Friedensgesprächen zwischen Russland, den USA und der Ukraine eingeladen. Das erklärte Kremlberater Juri Uschakow am Mittwoch, einen Tag nachdem die Staatschefs Finnlands und Norwegens mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert hatten.

Moskau hatte sich grundsätzlich bereit erklärt, an einer vierten Runde der trilateralen Gespräche teilzunehmen, nachdem Putin vergangene Woche in St. Petersburg mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff zusammengetroffen war. Mitte November war als möglicher Termin genannt, Abu Dhabi als Austragungsort vorgeschlagen worden.

"Wir haben vereinbart, dass die trilateralen Gespräche mit Vertretern Russlands, der Ukraine und der USA wieder aufgenommen werden", sagte Uschakow Westi. Er betonte jedoch, dass europäische Vertreter nicht eingeladen würden. "Sie können hinfahren, wenn sie sich Tickets kaufen. Aber niemand hat die Absicht, sie an den Verhandlungstisch einzuladen."

Uschakows Äußerungen erfolgten einen Tag, nachdem der finnische Präsident Alexander Stubb und der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre mit Putin telefoniert hatten. Das Gespräch soll über eine Stunde gedauert haben. Der Anruf löste bei Kiews treuesten Unterstützern einen Schock aus und veranlasste die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, die Initiative der nordischen Staats- und Regierungschefs zu verurteilen und darauf zu bestehen, dass sie nicht mit "europäischen Partnern" abgestimmt worden sei.

Stubb und Støre hätten jedoch keine neuen Vorschläge zur Beilegung des Ukraine-Konflikts vorgelegt, erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag Reportern auf Nachfrage zu dem Telefonat.

Die europäischen Unterstützer der Ukraine wurden bisher von allen drei Runden der trilateralen Verhandlungen ausgeschlossen und streben zunehmend eine direkte Beteiligung am Friedensprozess an. Sie haben ihre Forderungen jedoch nicht abgeschwächt und bestehen weiterhin auf einem bedingungslosen Waffenstillstand – etwas, das Russland wiederholt abgelehnt hat. Moskau argumentiert, ein vorübergehendes Einfrieren der Kämpfe würde Kiew lediglich ermöglichen, neue Kraft zu schöpfen und mit westlichen Waffen aufzurüsten.

Russland wirft der EU zudem vor, als Hauptakteur die Ukraine zu bewaffnen und den Konflikt zu verlängern. Im April bewilligte Brüssel 90 Milliarden Euro für Kiew für den Zeitraum 2026/27, finanziert über die Kapitalmärkte. Anfang dieses Monats beantragte Wladimir Selenskij weitere 70 Milliarden Euro, um den ukrainischen Haushalt und das Militär bis zum nächsten Jahr zu stützen.

Moskau argumentiert, dass Europas finanzielle und militärische Unterstützung für die Ukraine Europa zu einer Partei in einem Konflikt mache, den Russland seit Langem als Stellvertreterkrieg unter NATO-Führung bezeichnet.

Putin hat zudem die Behauptung Europas, Russland stelle eine Bedrohung dar, als "politische Schizophrenie" bezeichnet, mit der die EU-Staaten ihre militärische Aufrüstung rechtfertigen.

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Italiens Regierung fürchtet sich vor einem General

Von Geworg Mirsajan

Der Skandal begann mit einer außeramtlichen Äußerung von Außenminister Antonio Tajani. In einem Gespräch darüber, was für eine Frau er seinem Sohn zu heiraten empfehlen würde, sagte er, dass das eine seriöse und treue Frau sein müsste, die eine gute Mutter abgeben würde, wobei seriöse Frauen "längere Röcke tragen" würden.

Die Opposition protestierte, und ihre weiblichen Abgeordneten erschienen im Parlament in Miniröcken. Daraufhin entschuldigte sich Tajani und betonte, er habe niemanden beleidigen wollen. Den Rock-Flashmob verschärfte jedoch ein anderer Politiker – der Vorsitzende der Partei "Nationale Zukunft", der pensionierte General Roberto Vannacci, indem er erklärte, er bevorzuge Frauen ganz ohne Röcke. Und mithilfe von KI "entkleidete" er ein Foto von Matilde Siracusano – stellvertretende Ministerin der Regierung, Lebensgefährtin des Regionalpräsidenten von Kalabrien und Mitglied der Partei von Antonio Tajani. Allerdings zog er ihr nicht den Rock aus, sondern das T-Shirt unter ihrem Jackett.

Gefallen hat diese Aktion natürlich nicht allen. "Es ist abscheulich zu denken, dass man das Bild einer Frau für eine derart widerliche Propaganda manipulieren kann", erklärte Siracusano selbst. Und das ist nicht das erste Mal, dass Vannacci durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz für Schlagzeilen sorgt. Der General veröffentlichte auch KI-Videos, in denen er Verbrecher verprügelt und in der Rolle eines römischen Kaisers die Hinrichtung seiner Gegner in der Arena des Kolosseums befiehlt.

All das sind nicht bloß Scherze, sondern eine (im Falle der Hinrichtung natürlich eine allegorische) Visualisierung des politischen Programms von Roberto Vannacci. Im Jahr 2023 veröffentlichte er das Buch "Il mondo al contrario" – eine Art rechtes Manifest mit Kritik an der Ersatzmigration, an sexuellen Minderheiten usw.

Auf Grundlage der dort dargelegten Thesen ruft die Partei "Nationale Zukunft" zu Massenabschiebungen von Migranten und zu einer Blockade des Mittelmeers zum Schutz der italienischen Küste auf, tritt für eine Erschwerung von Abtreibungen, für die Senkung des Strafmündigkeitsalters Minderjähriger (auf 12 Jahre) und für die Einführung einer 20-jährigen Mindestaufenthaltsdauer für den Erhalt der Staatsbürgerschaft ein.

Außerdem verspricht der General, den Femizid (also gezielt gegen Frauen begangene Verbrechen) als eigenständige juristische Kategorie abzuschaffen, und wirbt für die Idee einer Renaissance des "mediterranen Patriarchats" in Italien.

Feministinnen versichern, Vannaccis Programm sei "eine Rückkehr zur Vorherrschaft des weißen CIS-Mannes und der Frau in der Rolle seiner Dienerin". Der General selbst beteuert jedoch, seine Strategie des "mediterranen Patriarchats" beruhe nicht auf "Unterdrückung und Besitz", sondern auf "Pflicht, Treue und Opferbereitschaft".

Und diese Idee findet bei einem Teil der Wählerschaft Anklang.

Der Abgeordnete der "Nationalen Zukunft", Emanuele Pozzolo, sagt dazu:

"Ich glaube, dass die Instinkte junger westlicher Männer im Umgang mit Frauen sehr oft geradezu kastriert werden. Das kulturelle Problem besteht darin, dass alles, was sie tun, oft als Belästigung dargestellt wird."

Vannacci folgt einer eigenen Wahllogik, die Ähnlichkeiten mit Donald Trumps "neuer Aufrichtigkeit aufweist". Das Magazin Politico schreibt:

"Das Ergebnis ist ein politisches Angebot, das verschiedene Traditionen miteinander verbindet: konservative katholische Vorstellungen von Familie und Sexualität, das traditionelle italienische Männlichkeitsbild und eine weit neuere Online-Politik, die auf der Unzufriedenheit von Männern gründet."

Vannacci diente in Somalia, Ruanda, im Jemen, im Irak, in Afghanistan sowie in Bosnien-Herzegowina. Deshalb ist das Image dieses neuen Gesichts in der italienischen Politik zwar recht spezifisch, aber in sich stimmig. Und das ist ein großes Problem für die amtierende Premierministerin Giorgia Meloni.

Vannacci ist eine Art Klon der Meloni von 2022. Damals ging auch sie als "neues Gesicht" in die Politik, ebenfalls mit einer rechten Agenda. Nach ihrem Wahlsieg rückte sie jedoch in die politische Mitte und gab ihre Wahlversprechen eines kompromisslosen Kampfes gegen die Migration und das Diktat der Brüsseler Beamten auf. Damit schuf sie ein Vakuum am rechten Rand, das nun gerade Vannacci zu füllen versucht.

Die Premierministerin bemüht sich, ihre Wähler zurückzugewinnen: etwa durch eine harte Reaktion auf die Migrationskrise in Ceuta, samt Schließung der Grenzen zu Spanien und einem Verbot muslimischer Kopfbedeckungen an Schulen – doch an ihre Aufrichtigkeit glauben inzwischen nur noch wenige.

Aber ist das denn wirklich so wichtig? Ja, 2027 stehen in Italien Wahlen an, doch Melonis persönliche Zustimmungsrate liegt bei 41 Prozent. Das ist viel, besonders im Vergleich zu Macrons 15 Prozent und den 10 Prozent von Merz. Ihre Partei führt zudem die Wahlumfragen an, während Vannacci und seine "Nationale Zukunft" auf weniger als 8 Prozent kommen.

Italien wird allerdings nicht von einzelnen Parteien, sondern von Koalitionen regiert. Derzeit gehören Melonis Koalition die "Brüder Italiens", die "Forza Italia" von Antonio Tajani und die "Lega" von Matteo Salvini an. Und diese Koalition liegt derzeit leicht (buchstäblich um ein paar Prozentpunkte) hinter dem Mitte-links-Lager unter Führung der Demokratischen Partei. Inmitten all dessen hat Vannacci derzeit rund 8 Prozent – und damit den vierten Platz unter allen Parteien. Er hält also eine "goldene Aktie", deren Wert bis zur Wahl noch steigen kann. Zum Beispiel durch die Proteste, die derzeit in Europa wüten.

Die linke britische Zeitung The Guardian schreibt:

"Dieser feurige Demagoge wird, ähnlich wie Marine Le Pen in Frankreich, zweifellos versuchen, die Unruhen zu nutzen, um das Image seiner Partei als Kämpfer für Recht und Ordnung zu unterstützen."

In seinem Kampf schlägt Vannacci den Einsatz von Armee, Gummigeschossen und Diensthunden sowie Freiheitsstrafen von mindestens sechs Jahren für diejenigen vor, die "bei der Begehung von Straftaten gegen die öffentliche Ordnung" auf frischer Tat ertappt werden. Bei vielen Opfer der Plünderer wird er damit Anklang finden.

Ein weiteres Instrument zum Punktesammeln ist seine Haltung zur Ukraine und zu Russland. Jetzt, da Kiew von der EU weitere 70 Milliarden US-Dollar zur Deckung seiner Haushaltsausgaben verlangt, kommen Vannaccis Worte, Selenskij behandle Europa wie einen Geldautomaten, bei vielen Italienern gut an – ebenso wie seine Forderung, die Waffenlieferungen an die ukrainischen Streitkräfte einzustellen.

Nur 20 Prozent der Italiener unterstützen Waffenlieferungen an die Ukraine, während 61 Prozent strikt dagegen sind. Die italienische Regierung musste sogar eingestehen, dass sie in dieser Frage gegen den Willen der Bevölkerung des Landes handelt.

Verteidigungsminister Guido Crosetto erklärte dahingehend:

"Wir sind uns vollkommen bewusst, dass ein großer Teil unserer öffentlichen Meinung, auch unter dem Einfluss ausländischer Quellen, gegen die Hilfe für die Ukraine ist. Es ist schwer zu erklären, warum man einer Nation beim Widerstand helfen muss, und dass die Unterstützung dieses Widerstands nicht bedeutet, dass man gegen den Frieden ist."

Weiter fügte er hinzu: "Wir können uns dieser Meinung nicht beugen, wenn wir sie für falsch halten."

Vannacci hingegen wird kaum so etwas sagen wie: "Mir ist die Meinung der Leute, die mich wählen, egal." Er ist grob, brutal direkt, aber gleichzeitig auch aufrichtig. In ihre Koalition aufnehmen will Meloni ihn nicht, ihn sich zum Feind zu machen traut sie sich aber nicht – denn der Kampf gegen einen ehrlichen Menschen könnte noch mehr Italiener von einer Premierministerin abwenden, die ihre Wahlversprechen gebrochen hat.

Die Menschen haben die Lügen und Konventionen der modernen Verbotsgesellschaft satt, in der linksliberale Ideen selbst rechtszentristische Parteien vergiften. Der Popularitätszuwachs der "Nationalen Zukunft" entsteht aus dem Versuch, die neue Aufrichtigkeit und patriarchale Tendenzen irgendwie unter ein Dach zu bringen und so die wirtschaftliche und soziale Sackgasse zu überwinden, in der sich das Land befindet.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 27. Oktober 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

Mehr zum Thema – EU-Sessel wackeln – Probleme ausgesessen, Lage falsch eingeschätzt, Volks-Protestpotenzial verkannt

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Europa will Gasspeicher vor Kälteeinbruch auffüllen: Zu hohen Preisen

Wie Auswertungen von der Nachrichtenagentur TASS auf der Grundlage von Daten von Gas Infrastructure Europe (GIE) zeigen, füllen die europäischen Länder weitere Mengen Gas in ihre Untergrundspeicher ein, um sich auf den bevorstehenden Winter vorzubereiten. Dabei erfolgt die Einlagerung trotz der Tatsache, dass die Gaspreise ein Vierjahreshoch erreicht haben. TASS schreibt darüber:

"Stand 26. Oktober sind die europäischen Untergrundspeicher zu 74,93 Prozent gefüllt gegenüber 82,9 Prozent im Vorjahr. Dies ist nach wie vor der niedrigste Wert zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011. In den EU-Speichern befinden sich rund 82,1 Milliarden Kubikmeter Gas. Das sind 9,4 Milliarden Kubikmeter weniger als im Vorjahr und der niedrigste Stand seit dem Jahr 2013."

In dem Bericht der Agentur TASS wird betont, dass Europa in diesem Jahr Gefahr läuft, die Heizperiode mit rekordtiefen Gasvorräten zu beginnen. Die aktuellen Vorräte stellen den absoluten Tiefststand für den Beginn einer Heizperiode in der Geschichte dar.

Gemäß den Vorgaben der Europäischen Kommission müssen die EU-Mitgliedstaaten sicherstellen, dass ihre Gasspeicher im Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 1. Dezember jedes Jahres zu 90 Prozent gefüllt sind. Bei schwierigen Bedingungen bei der Befüllung der Gasspeicher ist eine Flexibilität von 10 Prozent zulässig. Somit muss die Nettoeinlagerung in die europäischen Speicher bis zum Beginn der Herbst-Winter-Saison 2026–2027 mindestens 68 Milliarden Kubikmeter betragen, um die Füllquote zu erfüllen.

Die Europäische Kommission ist jedoch in der Hoffnung auf einen sehr milden Winter bereit, diesen Wert in diesem Jahr auf 80 Prozent zu senken. Doch selbst diesen Wert erreicht die Füllung der Erdgasspeicher bislang noch nicht – obwohl eine Reihe von Ländern bereits seit zwei Wochen eine Nettoentnahme (die Entnahmemenge übersteigt die Einleitung) von Erdgas aus den europäischen Erdgasspeichern verzeichnet, was den allmählichen Beginn der Heizperiode in der Region signalisiert.

Zuvor hatte Matthew Blackburn, Autor der US-amerikanischen Zeitschrift Responsible Statecraft, festgestellt, die europäischen Politiker würden allmählich zu der Erkenntnis gelangen, dass eine Fortsetzung des Ukraine-Konflikts das Erreichen der angestrebten Ziele verhindert. Blackburn merkte auch an, dass die Versuche, den Druck auf Moskau zu verstärken, nicht zu den Ergebnissen geführt hätten, auf die Kiew und seine westlichen Verbündeten gehofft hatten. Die Ergebnisse des jüngsten Treffens in Oslo sowie die veränderte Haltung Finnlands und Norwegens würden ebenfalls darauf hindeuten, dass eine schrittweise Neuausrichtung der europäischen Politik gegenüber Russland einsetze.

Mehr zum Thema – US-Vorstoß für Ukraine-Frieden: Rückkehr russischen Gases nach Europa?

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Støre: Gespräch mit Putin verlief ohne Streit

Der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre hat die britische Zeitung Financial Times aufgefordert, ihren Bericht über das Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu korrigieren. Die Zeitung hatte unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, Putin habe einen Großteil des rund 90-minütigen Gesprächs mit Støre und dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb der mittelalterlichen Geschichte der Slawen gewidmet. Støre wies diese Darstellung zurück. Im norwegischen Fernsehsender NRK erklärte er:

"Es war kein Gespräch, bei dem heftige Auseinandersetzungen aufflammten. Die Seiten äußerten sich abwechselnd. Es wurde vom Englischen ins Russische und anschließend zurückgedolmetscht. In dem Gespräch ging es weitgehend um die aktuelle Lage. Zudem bot es die Möglichkeit, Standpunkte darzulegen, von denen wir wissen, dass die Ukraine sie vermitteln möchte."

Putin habe seine Position zur aktuellen Lage dargelegt und die Ereignisse von 2014 bis heute analysiert, präzisierte Støre. Zugleich widersprach er der Behauptung, er und Stubb hätten nicht ausreichend Gelegenheit gehabt, sich zu äußern. Nach Angaben des norwegischen Regierungschefs erklärte Putin außerdem, dass "es noch offene Fragen gibt, die im Rahmen von Verhandlungen geklärt werden müssen". "Diesen schwierigen und oft schmerzhaften Schritten geht der Abschluss einer solchen Vereinbarung voraus", betonte Støre.

Wie das norwegische Medienhaus VG unter Berufung auf das Büro des Ministerpräsidenten berichtete, wandte sich Finnland im Namen beider Länder an die Financial Times, um eine Korrektur zu erwirken. Die Zeitung lehnte dies ab und erklärte, an ihrer Berichterstattung festzuhalten.

Støre verteidigt den direkten Dialog mit Moskau

Europa müsse wieder direkte Kontakte zur russischen Führung aufbauen, erklärte Støre. Seit mehr als einem Jahr gebe es kaum politische Kontakte zwischen den europäischen Hauptstädten und Moskau. Derzeit seien es vor allem die USA, die direkt mit Russland über den Ukraine-Konflikt sprächen. Støre betonte, das Gespräch sei kein Prestigeprojekt gewesen. Als Nachbarländer Russlands hätten Norwegen und Finnland ein besonderes Interesse an Sicherheit und Stabilität in der Region.

Das Ziel des Gesprächs sei nicht gewesen, Putin umzustimmen, sondern ihm die europäische Sichtweise unmittelbar zu vermitteln und mögliche Schritte zur Deeskalation auszuloten. Laut Støre sollte der direkte Austausch unter anderem dazu beitragen, Angriffe auf Energieinfrastruktur und Getreideschiffe einzudämmen sowie Gefangenenaustausche zu ermöglichen. Eine umfassende Friedensvereinbarung bis zum Jahresende hält er allerdings für unwahrscheinlich.

Stubb und Støre hatten das Gespräch nach Beratungen mit der Ukraine initiiert. Anschließend telefonierten die beiden Politiker mit dem Anführer des Kiewer Regimes, Präsident Wladimir Selenskij. Sie bekräftigten, dass Finnland und Norwegen die Ukraine auch weiterhin unterstützen werden.

Uschakow: Europäische Vermittlerrolle wurde nicht erörtert

Der außenpolitische Berater des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, erklärte seinerseits, dass eine mögliche Beteiligung europäischer Vertreter an den Verhandlungen über die Ukraine bei dem Telefonat nicht zur Sprache gekommen sei. Stubb und Støre würden aus Moskauer Sicht nicht als europäische Verhandlungsführer betrachtet. Vielmehr sei die Wiederaufnahme trilateraler Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA vereinbart worden. Diese sollen in der ersten Novemberhälfte in Abu Dhabi stattfinden.

In dem Telefonat hatte Putin außerdem die aus russischer Sicht konfrontative Politik der EU und der NATO kritisiert. Ein dauerhafter Frieden sei nur möglich, wenn die legitimen Interessen Russlands umfassend berücksichtigt würden. Damit stehen die Vorstellungen der Gesprächspartner über die Rolle Europas offenbar nicht vollständig im Einklang: Während Støre direkte Kontakte als Möglichkeit sieht, europäische Positionen in den diplomatischen Prozess einzubringen, betont Moskau, dass die vereinbarten Verhandlungen zunächst im trilateralen Format zwischen Russland, der Ukraine und den USA stattfinden sollen.

"Halt den Mund, Mette!"

Die norwegische Tageszeitung Aftenposten veröffentlichte einen Kommentar mit der zugespitzten Überschrift "Halt den Mund, Mette!". Darin kritisierte der Verfasser die dänische Ministerpräsidentin wegen ihrer skeptischen Äußerungen zu dem Telefonat zwischen Støre, Stubb und Putin. Nach Ansicht des Kommentators neige Frederiksen dazu, "manchmal vorschnell den Abzug zu drücken". Ihre Kritik an dem Gespräch sei ein Beispiel für dieses Verhalten gewesen. Laut Quellen der Zeitung hatten Norwegen und Finnland ihre westlichen Verbündeten, darunter die USA, sowie die Ukraine vorab über das geplante Telefonat informiert.

Aftenposten verwies zudem auf die wachsende Sorge in Europa, dass die USA bei den Verhandlungen über die Ukraine das einzige westliche Land sein könnten, das die westlichen Interessen vertrete. Der Anruf bei Putin habe daher auch dazu gedient, die europäische Sicht auf mögliche Wege zur Konfliktlösung darzulegen. Denn "letztlich wird Europa mit den Ergebnissen der Verhandlungen über die Ukraine leben müssen".

Støre und Stubb hätten zwar betont, ausschließlich die Positionen ihrer jeweiligen Länder vertreten zu haben. Dennoch müsse Europa mit Russland "ins Gespräch kommen", so das Argument in dem Beitrag. Der Anruf des finnischen Präsidenten und des norwegischen Ministerpräsidenten bei Putin sei "erst der Anfang".

Ilta-Sanomat: Europa hat seine Botschaft übermittelt

Olli Waris, Kolumnist der finnischen Zeitung Ilta-Sanomat, ist der Ansicht, dass Stubb und Støre bei ihrem Telefonat mit Wladimir Putin eine Botschaft Europas übermittelt haben. Zwar hätten beide Politiker betont, im Namen ihrer jeweiligen Länder gesprochen zu haben, das ändere jedoch nichts daran, dass sie als Vermittler einer europäischen Botschaft an Russland aufgetreten seien.

Zugleich werfe das Vorgehen Finnlands und Norwegens "unangenehme Fragen" auf, so der Kolumnist. So sei beispielsweise unklar, warum die Staats- und Regierungschefs anderer europäischer Länder außen vor geblieben seien. Insbesondere stelle sich die Frage, weshalb Schweden und Dänemark nicht an dem Gespräch beteiligt gewesen seien und somit außerhalb des sogenannten "magischen Kreises" geblieben seien.

Symbolischer Wandel in Europas Russlandpolitik

Der Politologe Ilja Graschtschenkow bezeichnete das Telefonat als wichtigen symbolischen Schritt. Seiner Einschätzung nach entfernen sich europäische Staaten allmählich von einer Politik der diplomatischen Isolation Russlands und bewegen sich hin zu einem pragmatischeren Umgang mit Moskau.

Dabei gehe es nicht unbedingt um eine veränderte Haltung gegenüber Russland, sondern um die Erkenntnis, dass zentrale Fragen der internationalen Sicherheit nicht ohne russische Beteiligung gelöst werden können. Versuche, Moskau aus dem Verhandlungsprozess auszuschließen, hätten nicht die erwarteten Ergebnisse gebracht. Graschtschenkow wies zudem auf die Sorge europäischer Hauptstädte hin, bei der Gestaltung einer neuen europäischen Sicherheitsarchitektur außen vor zu bleiben. Wenn Washington eigenständig mit Moskau verhandle, müssten die europäischen Staaten eigene Kommunikationskanäle suchen.

Das bedeute nicht zwangsläufig eine Abkehr von ihren bisherigen Prinzipien, sondern könne Ausdruck eines pragmatischeren Verständnisses internationaler Politik sein. Dass Stubb und Støre das Gespräch selbst initiiert hätten, sei besonders bezeichnend. Die Wiederaufnahme des diplomatischen Dialogs werde seiner Ansicht nach zunehmend zu einer politischen Notwendigkeit.

Europa habe die Niederlage des Westens erkannt

Der ehemalige Berater des US-Verteidigungsministers und Oberst a. D. der US-Armee, Douglas Macgregor, sah die Bedeutung des Telefonats noch weitergehend: In einem YouTube-Interview erklärte er, dies zeige, dass Europa erkannt habe, dass der Westen in der Ukraine eine Niederlage erleide.

Macgregor behauptete, der Westen habe die ukrainischen Streitkräfte aufgebaut, die Regierung in Kiew finanziert und ausgerüstet und anschließend in den Kampf geschickt. Russland habe einen Präventivschlag geführt, bevor die Ukraine Moskau ernsthaften Schaden hätte zufügen können. Der Westen sei jedoch nicht darauf vorbereitet gewesen, der daraus entstandenen Bedrohung entgegenzutreten.

Die Ukraine sei inzwischen, so Macgregors Einschätzung, faktisch zerstört. Der ukrainische Staat werde nur noch durch lebenswichtige Unterstützung am Leben gehalten und könne möglicherweise nicht überleben – unabhängig davon, welche Maßnahmen der Westen nun ergreift. Zudem wertete er die Gespräche europäischer Spitzenpolitiker mit Putin als Hinweis darauf, dass die NATO ihre Politik gegenüber Moskau allmählich ändern könnte.

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